Wenn ich mir die aktuelle Landschaft der IT-Tutorials und jungen Startups ansehe, fehlt mir oft eine entscheidende Perspektive: Die Realität jenseits von "Hello World" und schnellen Hacks. Es reicht nicht, dass Code funktioniert. Er muss nachhaltig sein. Und es reicht nicht, dass ein Business Geld abwirft. Es darf dabei nicht seine Seele verlieren. Denn das geht schnell auch in den Geldbeutel.

Genau das ist die Mission meines geplanten YouTube-Kanals: Ich möchte zeigen, warum "It works" für ein seriöses Business fast nie die beste Wahl ist.

Die Illusion der 2-3 Tage Startups

Lass uns ehrlich sein: Man kann kein ernst gemeintes Produkt oder Business in zwei bis drei Tagen programmieren. Klar, man kriegt einen Prototypen hin, der funktioniert. Aber Software braucht Pflege, Optimierung und Anpassung.

Der Markt verändert sich ständig, und was du an einem Wochenende "hinhackst", schafft ein anderer vielleicht in 24 Stunden. Schnelligkeit allein ist kein Burggraben.

Deshalb ist mein Rat an jeden Junior: Weg vom Shiny Object Syndrome. Lerne Patterns zu verstehen, statt einfache CRUD-Apps mit IF-Statements zu bauen. Wer versteht, wie Systeme skalieren, macht sich auf dem Markt unersetzlich. It sells! Besser, als jeder Pitch zu einer ToDo-App oder dem Bau einer LinkTree-Alternative.

AI, Vibe-Coding & der "Discord-Code"

In diesem Kontext müssen wir auch über AI sprechen. Vibe-Coding ist ein gefährlicher Trend, wenn das menschliche Supervising fehlt. Im besten Fall endet es wie beim Shiny Object Syndrome: Das Projekt wird nie released.

Nutzt AI gerne – für Autocomplete, für Refactoring (mit strikten Prompts zu Projektstandards), Bootstrapping oder Frontend-Snippets. Aber seht AI-Code immer so an, als hätte ihn euch ein Kumpel nachts um 3 Uhr über Discord geschickt. Du würdest ihn auch nicht 1:1 ungeprüft in die Production schieben, oder? (...ODER?) Du musst Meister deines Codes bleiben.

Realitäts-Check: Der Job ist nicht nur Code

Das führt uns zur Realität des Berufs: Der Job eines Softwareentwicklers besteht niemals zu 100% aus Programmieren. Am Ende sind es nicht einmal 50%. Der Rest ist Konzeption, Kommunikation, Verstehen und Architektur.

Wer nur git commit und git push will, wird langfristig scheitern – denn genau das ist der Teil, den die AI wegrationalisieren kann.

Mentoring auf Augenhöhe

Dazu gehört auch die Fähigkeit, Feedback richtig einzuordnen. Ich liebe es, wenn man mich um Rat fragt – nicht nur bei Bugs, sondern auch bei Architektur-Entscheidungen oder Pitches. Aber ich sage meinen Mentees auch immer: Ich bin nicht allwissend.

Es liegt in eurer Verantwortung, meine Ratschläge zu hinterfragen und zu prüfen. Viele Wege führen nach Rom. Mein Weg ist vielleicht solide, aber er muss nicht der schnellste sein. Vielleicht kennt ihr einen "Schleichweg", den ich noch gar nicht auf dem Schirm habe. Mentoring ist keine Einbahnstraße, sondern ein Dialog auf Augenhöhe.

Und wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht? Dann hilft oft nur eins: Abstand gewinnen. "Touch some grass" ist kein Meme, sondern eine Debugging-Strategie.

Fazit: Betonoptik vs. Seele

Am Ende zählt nicht nur der Code, sondern das Ziel dahinter. Als ich mich 2014 bei Prepaid-Hoster bewarb, wollten wir noch wie "Nitrado" sein. Heute ist dieses Ziel nicht mehr valide.

Nitrado ist für mich mittlerweile ein Symbol für Konzerne in Betonoptik, die den Draht zur Community verloren haben. Genau das wollen wir 2030 nicht sein. Wir wollen beweisen, dass die Knete stimmen kann, ohne dass man die Kundennähe opfert. Egal, ob ich diesen Code im Keller an der Ostsee schreibe oder irgendwann in einem Keller in Lübeck – solange die Seele des Produkts stimmt, sind wir auf dem richtigen Weg.